LSC Ringvorlesung | Michael Fleig (Regensburg) Rez Ball: Basketball im Kontext der Indigenous Resurgence in Nordamerika
Wann? Mittwoch, den 13. Mai - 14:15-15:45
Wo? H5 - UR Campus
Dieser Vortrag ist Teil der Ringvorlesung „Sport, Politik, Konflikt“, organisiert vom Leibniz-WissenschaftsCampus „Europa und Amerika“. Jeder Termin steht allen Mitgliedern der UR und des IOS sowie auch der allgemeinen Öffentlichkeit offen. Studierende der UR können sich für die Veranstaltung anmelden und Leistungspunkte erwerben.
Hörsaal H5 befindet sich im unteren Teil des Zentralen Hörsaalgebäude (Nähe Audimax). UR Campus-Plan
Abstract | Ende 2024 ist auf Netflix der Film "Rez Ball" erschienen, sowohl in Nordamerika als auch in Europa. Er erzählt von den Chuska Warriors, einem Navajo Basketballteam, das es in New Mexico bis zur State Championship schafft. Zwar gibt es viele Geschichten darüber, wie Sport allgemein und Basketball im Speziellen Minderheiten Möglichkeiten zum sozialen Aufstieg oder zur Selbstermächtigung bietet. Zumindest für das europäische Publikum dürfte dieser Film jedoch das erste Beispiel sein, das die Bedeutung von Basketball im Kontext indigener Selbstbestimmung und des dekolonialen Widerstands in Nordamerika in den Fokus rückt. Ausgehend von der Analyse dieses Fallbeispiels und weiteren, bei uns unbekannten Porträts des indigenen Basketballs aus der Literatur, dem Film und der Sportberichterstattung möchte der Vortrag einen Einblick in Geschichte des indigenen Basketballs in Nordamerika geben. Ende des 19. Jahrhunderts wurde der von James Naismith erfundene Sport als ein Werkzeug der Kontrolle in den Boarding bzw. ResidentialSchools eingeführt, das jedoch eine unerwartete Eigendynamik entfaltete. So wurde er als Rez Ball schon bald von vielen american natives und first nations in ihre eigenen Kulturen integriert. Zwar sind indigene Athlet*innen im Profisport wie der (W)NBA bis heute stark unterrepräsentiert, in den Reservaten ist Basketball jedoch schon lange ein wichtiger Bestandteil der Indigenous Resurgence, sei es als Mittel des Healing oder als Ausdruck von Survivance (im Sinne des Chippewa Literaturwissenschaftlers Gerald Vizenor). In diesem Kontext ist Basketball auch besonders geeignet, um einen Paradigmenwechsel vom deficit zum strenght approach nachzuzeichnen.
Michael Fleig ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Medienwissenschaft der Universität Regensburg, wo er mit einer Arbeit zum französischen Musikvideo- und Spielfilmregisseur Michel Gondry promoviert hat. Derzeit arbeitet er dort an seiner Habilitation mit dem Arbeitstitel „Die Medien des Truth-and-Reconciliation-Prozesses im gegenwärtigen Kanada“. Während seiner Forschungsaufenthalte in Kanada erwies sich Basketball als ein wichtiges Mittel des Kulturkontaktes.
